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EULAR Kongress Rom
vom 16.06.2010 - 19.06.2010


Dass der EULAR-Kongress ein Kongress mit ständiger Zunahme der Teilnehmer ist, bestätigte sich auch dieses Mal erwartungsgemäß. Nicht ohne Einfluss hierbei dürfte der Veranstaltungsort Rom gewesen sein. Für über 16 000 Teilnehmer bot sich die Möglichkeit, neueste wissenschaftliche, klinische, und jetzt besonders auch sozial-medizinische Erfahrungen aufnehmen zu können. So war ein reger Gedankenaustausch zwischen Patienten, Ärzten, Wissenschaftlern, in Gesundheitsberufen Tätigen und auch Experten der Pharmaindustrie zu gewährleisten.

Die ständige Zunahme der Teilnehmer zeigt zudem, welcher Stellenwert Krankheiten der Gelenke und des Bewegungsapparates in unserer Gesellschaft zukommt.

Wie auch bisher üblich standen im Mittelpunkt des EULAR Kongresses 2010 die Präsentation klinischer sowie basiswissenschaftlicher Innovationen.

Zunehmende Bedeutung kommt der Einbindung von Patienten und Patientenorganisationen (Rheumaliga) zu, wie aus dem umfangreichen PARE - Programm (people with Arthritis Rheumatism in Europe) ersichtlich wird.

Als Herz des Kongresses wurde vom Kongress Präsidenten Paul Emery
die außerordentlich große Posterpräsentation mit circa 600 Beiträgen bezeichnet, die rege Diskussionen und Austauschmöglichkeiten über alle Themenkreise anbot.

Wichtigstes Thema ist weiterhin die Erforschung der Pathophysiologie der RA (Rheumatoide Arthritis) mit seinen attraktiven Zielmolekülen und Modellen (U. Müller-Ladner, Gießen) sowie der molekularbiologische Fortschritt und den daraus resultierenden verbesserten Therapieoptionen. So haben sich die auf Antikörper - oder Rezeptor-Basis entwickelten Biologika fest etabliert. Fünf verschiedene Präparate stehen einschließlich einer pegylierten Form zur Verfügung. Biologika zur Hemmung weiterer zentraler Zytokine werden entwickelt.
Festzuhalten ist: TNF-Einsatz verhindert eindeutig besser die Gelenkdestruktion (61%) als die bisher übliche alleinige DMARD-Therapie (traditionelle Basistherapeutika).

Trotzdem spielen in der RA-Therapie nach wie vor traditionelle Basistherapeutika (DMARDs) eine große Rolle, insbesondere auch in Kombinationen mit modernen Biologika (P. Emery). Unstrittig ist zwar der Einsatz dieser kombinierten Substanzgruppen, übersehen werden sollte dabei aber nicht: vielen Patienten kann bereits mit den traditionellen (DMARDS) Medikamenten geholfen werden – auf die Risiken der modernen Biologika-Therapien, auch in Kombination, wurde in den Vorträgen u. a. von A. Strangfeld und u. M. Yamamoto sehr energisch hingewiesen.

Nach wie vor gilt: Eine früh einsetzende Kombitherapie bei möglichst frühzeitig diagnostizierter RA, was auf Grund verbesserter Möglichkeiten (MRI) und labortechnischer Untersuchungen heute möglich ist, lässt Langzeitschäden und kostspielige Interventionen vermeiden.

Aber auch die so genannte traditionelle Therapie (z. B. mit MTX-Wirkstoff Methotrexat) bedarf einer strikten Überwachung, obwohl sich MTX wegen seines Sicherheitsprofils für eine jahrzehntelange Therapie geeignet sei (Vortrag von Dougados) und auch die Lebenserwartung verlängere.

Eine Studie aus Schweden (M. J Söderlin und P. Geparek) hat zusätzlich ergeben: Zigarettenrauch beeinflusst nicht nur eine RA, sondern auch den Therapieerfolg von TNF-α-Hemmern negativ.

Die Behandlung einer Spondylitis ankylosans zielt ebenfalls in Richtung des Einsatzes von Biologicals. Deutlich positive Effekte wurden nach Einsatz von TNF-Faktor Hemmern gesehen (J.Sieper, M.A d ´Agostino)

Praxistaugliche Empfehlungen zur Therapie der Psoriasis-Arthritis sollen die Therapie von Patienten mit Psoriasis erleichtern. Die bisher geltenden GRAPPA-Empfehlungen ließen sich bisher in der Praxis nur schwer umsetzen. Die neuen EULAR-Empfehlungen sind dagegen gut praxistauglich (L. Gossec, Paris, J. Smolen, Wien). Ziel ist: Prävention struktureller Schäden, sowie Normalisierung der Funktion und der sozialen Teilhabe.

Belimumab könnte die SLE-Therapie voranbringen. Ein neuer Antikörper, das gegen den B-Lymphozyten-Stimulator gerichtete Belimumab, hat in der BLISS –76-Studie einen Nutzen für Patienten mit seropositivem SLE gebracht.

NSAR werden auf Grund ihres negativen Einflusses auf die Nierenfunktion sehr kritisch eingeschätzt. Sie sind jedoch nach wie vor, bei regelmäßig untersuchter Nierenfunktion, ein wichtiges Therapieelement, sowohl bei entzündlich rheumatischen als auch bei degenerativen Gelenkerkrankungen. Prednison MR (modified release) bringt bei RA-Patienten einen deutlichen Zusatznutzen, verringert Morgensteife, Schmerzen und Fatigue. Es sei daher folgerichtig, dass niedrigdosierte Glucokortikoide in den Leitlinien nach vorne rückten.

Im Rahmen der Gender-Medizin stellte Vibke Strand (USA-Stanford University) fest: „Schmerz ist für Frauen mit RA trotz allen Therapien das absolut dominierende Thema“. Die Schmerzen werden verstärkt durch eine Reihe zusätzlicher Ursachen (u. a. familiäre -und berufliche Belastung) und müssen – wie P. Emery betont – unbedingt in den Griff bekommen werden. Diese Untersuchungen wurden initiiert durch die zur EULAR gehörende Patientenorganisation PARE.

Im Rahmen epidemiologischer Untersuchungen wurde festgestellt, dass es keinerlei Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen gängigen Impfungen im Erwachsenenalter und dem Auftreten einer RA gibt (Daten aus dem schwedischen Rheumaregister EIRA).

Zusätzliche Satelittensymposien fanden in großer Zahl statt. Hingewiesen sei hier auf ein Symposium der Bioiberica unter Vorsitz von R. Altmann (USA) und P. du SOUICH (Kanada), das sich hauptsächlich mit dem Thema der Krankheitsmodifikation bei Arthrose beschäftigte.

Nach den Grundlagebetrachtungen (P. Conaghan U.K.) und Überlegungen zur Rolle der RANK-Liganden im Arthrosegelenk, sowie dem Einsatz von Chondroitinsulfat (J.-P. Pellitier Kanada) und dessen Einfluss auf Angiogenese und Knorpelzellen, forderte M. C. Hochberg (University of Maryland USA) DMOADs für die Behandlung von Arthrose zu entwickeln, zumal in Langzeitstudien der Nachweis von deutlicher Besserung von Kniegelenksarthrosen durch den Einsatz solcher Substanzen wie Glucosaminsulfat erbracht wurde. Auf den zusätzlichen Nutzen, z. B. Vermeidung von operativen Eingriffen und somit Kosteneinsparungen, wurde hingewiesen.


Fazit:
EULAR 2010 Rom

Molekularbiologische Forschung und Einsatz von Biologika stehen im Fokus des Interesses. Biologika werden unter kritischer Betrachtung als Therapieinstrumente für alle entzündlich-rheumatischen Erkrankungen (RA, Spa, PsA, SLE) eingesetzt. Neue Biologika werden entwickelt.

Spondylitis ankylosans oder Morbus Bechterew gewinnt zunehmend an Bedeutung. Auch hier gilt: So früh wie möglich intensiv (auch mit Biologika) behandeln und möglichst frühzeitige Diagnosestellung!

Gichtbehandlung ist nach wie vor sehr dringlich. EULAR-Leitlinien müssen in den klinischen Alltag besser eingebracht werden.

Osteoarthritis (Arthrose) erfordert neue basiswissenschaftliche Ansätze. Diese sind gegeben in der Chondrozytenforschung (A. J.Steinert, S. J. Haas, Deutschland). Es müssen hier auch Forschungsergebnisse zur Pathophysiologie der RA miteinbezogen werden.
Zum Einsatz sollten krankheitsmodifizierende Medikamente kommen. Entwicklung dieser Behandlung und zukünftige Perspektiven werden diskutiert.

Ausnutzung von Synergismen durch Einbindung aller am rheumatischen Krankheitsgeschehen Beteiligten (PARE) – Ärzte, Grundlagenforscher, Pflegekräfte, Patienten, Pharmaindustrie, Gesundheitspolitiker.
PARE (people with Arthritis and Rheumatism in Europe) - EULAR Educational Programme: Unterrichtung und Einübung wird zusätzlich als Schlüsselstrategie aller EULAR Aktivitäten angesehen. Im Rahmen dieser Entwicklung wurden eine Vielzahl von Sitzungen abgehalten, die auf die Problematik der einzelnen Krankheitsbilder eingehen (PMR, Vaskulitiden, Fibromyalgie, Sklerodermie .u.a.).

Fibromyalgie bleibt ebenfalls wichtiges Thema, wobei sich herauskristallisierte, dass bei diesen Patienten die Verarbeitung der Schmerzen insgesamt verändert ist.

Autor: Prof. Müller-Faßbender, Bad Abbach

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