ECCEO 2009, Athen, 18. bis 21. März 2009
In Athen fand Mitte März 2009 zum neuntenmal der ECCEO Kongress statt, einer der größten, jährlich stattfindenden, wissenschaftlichen Veranstaltungen zum Thema Diagnose und Therapie der Osteoporose und Arthrose, besonders auch mit Blick auf die volkswirtschaftliche Bedeutung dieser Krankheitskomplexe. In diesem Jahr konnten von der Kongressorganisation 4500 Teilnehmer registriert werden. Das sind noch einmal tausend Teilnehmer mehr, als an ECCEO Kongressen der Vorjahre. Über 600 hochqualifizierte Abstrakte wurden der Abstraktkommission unter Leitung von Prof. R. Rizzoli und Prof. C. Cooper vorgelegt.
Highlight, des ersten und Eröffnungstages, war die Verleihung des Pierre Delmas Preises an Prof. J. Y. Reginster, den Mitbegründer des ECCEO Kongresses und der internationalen Osteoporosestiftung (IOF).
Osteoporose ist eine der weltweit meist verbreiteten Erkrankungen und führt im Ergebnis zu ständigen Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und zur Unfähigkeit seine tägliche Arbeit zu verrichten. Letztendlich kommt es, in Folge sich hieraus ergebender Komplikationen, zu massiv verringerter Lebensqualität und besonders bei forschreitender Neigung zu Knochenbrüchen zu einer eingeschränkten Lebenserwartung mit vorzeitiger Mortalität. Weltweit erleidet eine von drei postmenopausalen Frauen osteoporotisch bedingte Knochenbrüche – bei den Männern beträgt dieses Verhältnis 1:5. Obwohl diese Tatsachen bekannt sind, werden immer noch viel zu wenig Patienten, hinsichtlich dieser Erkrankung, diagnostiziert und behandelt. Gerade diese Tatsache ist ein wichtiges Anliegen des ECCEO Kongresses, um durch Kontakte zwischen Wissenschaftlern, Ärzten, Patientenverbänden und anderen Organisationen ein Netzwerk zur Verbesserung der Patientenversorgung herzustellen. Die sprunghaft steigenden, durch Osteoporose verursachten Krankheitskosten machen deutlich, wie hoch der Bedarf an gut begründeten vorbeugenden und therapeutischen Maßnahmen ist. Die Eingangssitzung wurde eröffnet mit dem richtungweisenden Referat (Prof. R. Baron):
Die Zukunft der Osteoporosebehandlung - Neue Ziele und neue Substanzen:
Erreicht werden soll vor allem ein rascherer Knochenaufbau bei Verhinderung des Knochenabbaus durch Gabe einer - oder durch Kombination mehrerer Substanzen. Diese Auffassung wird allerdings diskutiert. Die langzeitige Treue zur Therapie, die sogenannte Kompliance, von Osteoporosepatienten ist weiterhin ein Problem. Daher ist die Komplianceförderung mit einer konsequent durchgeführten Osteoporosetherapie eine ganz wichtige Forderung, denn nur bei einer hohen Kompliance wird eine Verminderung von Knochenbrüchen von 30 – 40 % beobachtet. Mit steigendem Frakturrisiko droht insbesondere eine Oberschenkelhalsfraktur, mit den damit verbundenen hohen „Gesamtkosten“. In vielen Vorträgen wird zudem die Wichtigkeit eines entsprechenden Lebensstils betont (norwegische Arbeitsgruppen). Dazu gehört Bewegungstherapie in jeglicher Form, auch Vibrationstherapie, nicht Rauchen, geringer Alkoholkonsum, Anstreben eines Normalgewichtes mit Vermeiden von Untergewicht. Diese Faktoren, wird betont, sollten von Jugend an gefördert werden, um einer Osteoporose vorzubeugen. Interessanterweise – so ergab sich aus einem Vortrag – spielt, anders als bisher angenommen, die hormonelle Situation bei gesunden Frauen (späte Menarche, niedriger Östrogenspiegel) bei der Ausbildung einer normalen Knochendichte keine so große Rolle. Im Blickpunkt stand ferner die Vorhersage- und Beurteilungsmöglichkeit für das Eintreten einer osteoporotischen Fraktur mittels FRAX. FRAX wurde von der WHO, unter Leitung von Prof. John Kanis und führenden Epidemiologen, entwickelt und seit 2008 als Beurteilungsinstumentarium eingesetzt. Von der osteoporotischen Fraktur sind am häufigsten betroffen: die Wirbelkörper, die Unterarme und. der Oberschenkelhals. In diesem Zusammenhang muss auf die Beiträge über Sturzprophylaxe in jeglicher Form hingewiesen werden. Durch eine verminderte neuromuskuläre Koordination im Alter ist das Risiko von Stürzen gesteigert. Die Prävention von Knochenbrüchen muss deshalb neben der Verbesserung der Knochenfestigkeit auch die Vermeidung von Stürzen beinhalten.
Bildgebende und andere Untersuchungsmöglichkeiten:
Zur Abschätzung des Knochenbruchrisikos gibt es neue Untersuchungsmethoden zur Darstellung der Knochenmikroarchitektur, durch Magnetresonanztomographie - und Mikroskopie (S.Mayumdar, California University) oder auch durch Ultraschalluntersuchungen, die sich nach A. Moaygeri (Universität Cambridge U.K.) gleichwertig mit einer DXA Untersuchung zeigten, jedoch ohne Strahlenbelastung.
Therapeutische Möglichkeiten:
Medikamentöse Maßnahmen Die Therapie der osteoporotischen Frakturen wird durch möglichst frühzeitigen Einsatz unterschiedlichster Substanzen gesteuert. Zoledronsäure wird als Infusion eingesetzt. So führt beispielsweise (n. Prof. Bruyere) eine einmal jährlich durchgeführte Zoledronsäure- Infusion bei älteren Frauen zu einer deutlichen Schmerzenminderung. Bei Patienten, die langfristig Kortikoide einnehmen, werden erfolgreich Teriparatit und Strontiumranelat eingesetzt. Substanzen, die sich in diversen Studien dem Alendronat überlegen zeigten. Verglichen wurden in diesem Zusammenhang die durch frühzeitig einsetzende Therapie bedingten Kosten mit den durch osteoporotische Frakturen entstehenden Kosten mit entsprechenden Nachfolgelasten (Prof. Markov). Eine zusätzliche Maßnahme nach Wirbelkörperfrakturen ist die Ballonkyphoplastie (d.h. operative Wirbelkörperwiederaufrichtung und -festigung mittels eingebrachten Kunststoffs oder Calciumphosphatzements). Sie kann ebenfalls den Osteporose bedingten Wirbelsinterungsprozess aufhalten. Auf die positiven langfristigen Wirkungen (Schmerzreduktion, Lebensqualität, Mobilität) wird ebenso hingewiesen wie auf Nebenwirkungsrisiken (Anschlussfrakturen).
Physiotherapeutische Anwendungen
Angepasster Sport, konsequente Bewegungstherapie und Übungen auf der Vibrationsplatte zeigen sich für Osteoporosepatienten besonders vorteilhaft.
Schwerpunkt Arthrose
Arthrose ist die häufigste Erkrankung des Bewegungsapparates. Sie ist von großer sozioökonomischer Relevanz. Die degenerativen Gelenkerkrankungen, die sich vornehmlich durch den Verlust des Gelenkknorpels charakterisieren, sind in ihrer Ursache höchst unterschiedlich (Fehl-Haltung und Belastung, Unfallfolgen und anderes) und in ihrer Entstehung letztendlich noch ungeklärt. Im allgemeinen verlaufen diese Veränderungen langsam voranschreitend und betreffen mit zunehmendem Alter neben den Knorpelstrukturen auch die knöchernen Strukturen mit gleichzeitiger Gelenkdeformierung. (Prof. Pelletier, Montreal, Kanada). Therapiemöglichkeiten der Arthrose werden gesehen in Tetracyclin-Analoga und Diacerein (IL-1ß Inhibitor). Bei einer arthritischen Gelenkentzündung steigt die Menge des Botenstoffes Interleukin IL-1ß, der für die Schmerzweiterleitung verantwortlich gemacht wird. Eine weitere Therapieoption besteht in Glucosaminhemisulfat (GS), das die Arthrosesymptomatik (Schmerzen, Schwellung, Bewegungseinschränkung mit Funktionsverlust) im Sinne eines Struktur verändernden Medikamentes (disease modifying osteoarthritis drug oder DMOAD) hemmt. Möglicherweise können auch nach entsprechenden Studien Cathepsin-K Inhibitoren, Strontium-Ranelat und anti-RANKL-Antikörper als mögliche neuere DMOADs eingesetzt werden. Im stark besuchten Rottapharm-Madaus Symposium wurde von Prof. Pelletier (Montreal) auf die pathophysiologischen Veränderungen eingegangen und die epidemiologischen Zusammenhänge aufgezeigt. Prof. LC. Rovati (Mailand) stellte in einem zusammenfassenden Überblick deutlich die Rolle von Gucosaminhemisulfat in der Therapie der Arthrose dar. Unter anderem auch den statistisch signifikanten und in vielen Studien mit relevanten Langzeitdaten nachgewiesenen antientzündlichen Effekt des kristallinen Glucosaminhemisulfates, das durch seine typische chemische Konfiguration nicht durch andere Substanzen ersetzbar ist. Weiterhin konnte gezeigt werden, dass innerhalb von fünf Jahren nach vorausgegangener Behandlung mit Glucosaminhemisulfat deutlich weniger Knie- und Hüftendoprothesenoperationen benötigt wurden, als bei Patienten, die nur mit einem, Placebo behandelt wurden. Weitere Studien über einen Zeitraum von 6 Monaten und länger belegen, dass das kristalline Glucosaminhemisulfat über einen Schadenkontrollmechanismus und eine Schmerzkontrolle verfügt. Auf Kosteneinsparungen durch rechtzeitigen und präventiven DMOAD Einsatz wurde von Prof. Aslanidis (Griechenland) hingewiesen. In Schwerpunktsymposien wurden die wichtigsten Therapiekonzepte für Osteoarthritis, Osteoporose und Behandlungsmodalitäten nach Frakturen abschließend zusammengefasst.

