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Eular Kongress 2009 in Kopenhagen
vom 10.06.09. bis 13.06.09

 

Wichtige Schwerpunkte

Der 10. EULAR Kongress fand vom 10. bis 13. Juni 2009 in Kopenhagen statt. Den ca. 13.500 Teilnehmern wurde dabei die Möglichkeit geboten, neueste wissenschaftliche und klinische Erfahrungen aufzunehmen und auszutauschen.

Zusätzlich ist zunehmend die Möglichkeit des Erfahrungsaustausches geboten zwischen Ärzten, Patienten und allen, die sich im Rahmen des Gesundheitsdienstes oder der pharmazeutischen Industrie mit rheumatischen Krankheitskomplexen beschäftigen.

Die Fülle der gesamten Präsentationen aus den Gebieten der Pathophysiologie, Epidemiologie und Therapie zeigen die wichtigsten Tendenzen, die sich in den letzten Jahren ergeben haben.

Beispielhaft ist die Entwicklung von vielen früher schwerst destruktiven, sogar vorzeitig letal verlaufenden, Krankheiten aus dem Komplex der entzündlich rheumatischen Erkrankungen (Vaskulitiden, auch Sklerodermien seien hier erwähnt)  zu zwar chronischen aber gut behandelbaren Krankheiten.

Im Mittelpunkt der Vorträge stand wieder das Plädoyer für eine früh einsetzende Kombinationstherapie bei rheumatischer Arthritis, möglich geworden durch die verbesserten diagnostischen Maßnahmen, sowohl auf dem Labor- als auch radiologischen Gebiet.

Gegen die rheumatoide Arthritis massiv vorzugehen („hit strong“) zahlt sich aus: nur so lassen sich Langzeitschäden und kostspielige Interventionen vermeiden.

Massive Therapien fördern allerdings auch Nebenwirkungen. So ist das Risiko für eine gastrointestinale Blutung, (Ulcera auch Divertikulitiden), laut einer Vergleichsstudie an 860 Patienten (Mayo-Klinik, Minnesota), bei RA-Patienten deutlich erhöht.

Eine Verbesserung der Symptomsituation (Morgensteifheit, Schmerzen) wird erreicht durch Einführung einer, in Anlehnung an den circadianen Rhythmus, modifizierten Prednisongabe, so Prof. Buttgereit (Berlin).

Psychische Störungen (Depressionen, Schlafstörungen, kognitive Probleme) finden sich bei Rheumapatienten vermehrt. Depression verstärkt Gelenkentzündungen und schafft höhere Schmerzscores (Studie eines russischen Rheumainstitutes).

In vielen Vorträgen waren vorherrschende Themen:

  • Biologica in der Therapie der Sp.a. sehr erfolgreich.
  • Neue Langzeitdaten (EASIC Studie) bestätigen die Hoffnung auf Anti TNF-Strategie.
  • Kardiovaskuläre Erkrankungen treten bei rheumatischen Grunderkrankungen frühzeitiger auf als in Normalkollektiven. 
  • Bedeutung bildgebender Verfahren in der Frühdiagnostik rheumatischer Erkrankungen insbesondere auch bei SLE, Sjögren-Syndrom, Psoriasis arthropathie.

Sport spart Steroide und verbessert die Gelenkfunktion (Portugiesische Studie).

Wichtiges Thema: Osteoarthritis (Arthrose)

Eine Reihe von Vorträgen beschäftigte sich mit Behandlung und Prävention der Arthrose bei einer älter werdenden und ungesund ernährten (Übergewicht!) Bevölkerung, dies auch in Kontext mit den damit verbundenen sozioökonomischen Herausforderungen.

Forschungen auf dem Gebiet der Arthrosepathophysiologie weisen neue Behandlungsmöglichkeiten auf so Prof. Martel-Pelletier, Montreal.

Sie betonte, dass gerade in den letzten Jahren das Wissen um die Ätiopathogenese dank den Erkenntnissen um die Rolle der proinflammatorischen Cytokine 
(Interleukine – 1 beta) u.a. signifikant zugenommen hat.

Behandlungsmöglichkeiten der Arthrose wurden in einem umfassenden Update- Referat (Prof. Dr. Doherty Nottingham) dargelegt. Primäre konservative Behandlung der Arthrose ist die Schmerzbekämpfung- und beseitigung mit den zur Verfügung stehenden Substanzen, zunächst Paracetamol, dann NSAR (auch in topischer Form) immer mit magenschützenden Medikamenten, wie den Protonenpumpenhemmern
(PPI). Coxibe unter strikter Risikofaktorüberwachung, in besonderen Fällen auch Opioide.

In einem sehr gut besuchten Satelliten Symposium von Rottapharm/Madaus wurden aktuelle Erkenntnisse hinsichtlich der Pathophysiologie, der Therapiemöglichkeiten und auch der sozioökonomischen Möglichkeiten vorgetragen.

Frau Prof. Pelletier verwies auf den abnormalen Stoffwechsel knochenbildender Zellen im Bereich des arthrotischen Gelenkes. Infolge gezielter bildgebender Untersuchungen wird auf die Wichtigkeit des Knochenmarködems hinsichtlich eines späteren Knorpelschwundes mit Arthroseentstehung hingewiesen.

Prof. Rovati (Mailand) zeigte eindeutig den Unterschied zwischen den Substanzen Glucosaminhydrochlorid und Glucosaminsulfat sowohl hinsichtlich ihrer Pharmako-Kinetik und Galenik als auch ihrer Dosierung. Er betonte, dass der statistisch in vielen Studien mit relevanten Langzeitdaten nachgewiesene Effekt der Linderung der Symptome einer Arthrose bisher nur für das kristalline Glucosaminhemisulfat nachgewiesen werden konnte und Glucosaminhemisulfat wegen seiner typischen, chemischen Struktur nicht durch andere Substanzen ersetzbar ist.


Dies zeigt erneut die sogenannte GAIT Studie, die mit Glucosaminhydrochlorid durchgeführt wurde und keinen besseren Effekt  als Placebo ergab.


O. Bruyere, Liège (Belgien) legte den Kosten-Nutzeneffekt der Arthrosebehandlung mit Glucosaminhemisulfat dar.

Fazit dieses Vortrages war, dass aktuelle Analysen belegen, dass eine Therapie der Arthrose mit Glucosaminhemisulfat (1500 mg/d) effizient ist und einen positiven Kostennutzeneffekt hat. Weitere Untersuchungen können diese Ergebnisse bekräftigen.

Ein weiteres Satelliten-Symposium beschäftigte sich mit der Verbesserung der allgemeinen und auch Notfalltherapie von Arthrosen (T. Kvien, Norwegen).

Der Osteoporose und ihrer Behandlung waren viele Beiträge gewidmet. Die Bedeutung der Bisphosphonate wurde betont, ebenso die Möglichkeit der Wiederaufrichtung zusammengebrochener Wirbelkörper mit Hilfe der Ballon-Kyphoplastie. Fibromyalgie Behandlung ist nach wie vor ein Dauerthema und wurde auch auf diesem Kongress facettenreich besprochen.

Insgesamt trägt die zunehmende Akzeptanz der EULAR Kongresse mit der Fülle der wissenschaftlichen Beiträge entscheidend dazu bei, die Bedeutung rheumatischer Krankheiten in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses zu rücken.

Autor: Prof. Müller-Faßbender, Bad Abbach

 

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