Bericht über IOF und ECCEO Weltkongress
05. – 08. Mai 2010
in Florenz
Der ECCEO fand dieses Jahr, erstmals gemeinsam mit dem Osteoporose Weltkongress, in Florenz vom 05. bis 08 Mai 2010 statt.
Über 6.000 Teilnehmer waren nach Florenz gekommen, um sich über die neuesten Ergebnisse aus den Gebieten der Epidemiologie, Pathogenese, Prävention und Behandlung von Osteoporose und Arthrose zu informieren.
Von Prof. Baron (Harvard University Boston) wurde in einer großen Übersicht die Pathogenese des Knochenmetabolismus (RANKL-Mechanismus), der die Osteoblasten steuert, erläutert. Erst die neuesten Erkenntnisse über die Zusammenhänge der Regulierung von Osteoklasten- und Osteoblastentätigkeit auf molekularbiologischer Basis führte zur Entwicklung neuer auf diesen Prozess einwirkenden Substanzen.
Weiteres zentrales Thema war - life style - hierzu gehört auch Ernährung sowie Vitamin D- und Calcium-Versorgung.
Weiterhin ist die Sturzproblematik mit dem damit verbundenen Frakturgeschehen und dessen Prävention ein wichtiges Thema.
Dawson-Hughes (Boston) weist auf die zentrale Bedeutung von Vitamin D nicht nur für den Knochen direkt, sondern auch auf den gesamten Bewegungsapparat einschließlich der Muskulatur hin. Eine Unterversorgung mit Vitamin D, besonders bei älteren Menschen, ist festzustellen. Gefördert wird diese Situation durch Dauertherapien mit Glitazonen, Glukocortikoiden (auch in niedrigster Dosierung) und ständige PPI-Einnahmen.
Im Vortrag von Papapoulos (Uni Leiden) wurde die sprunghafte Entwicklung der Osteoporosepharmakotherapie, basierend auf in den letzten Jahren entstandenem Wissen um den Knochenmetabolismus (Stichworte: RANKL und Kathepsin), gezeigt. Die Folge dieses neuen Wissens ist die Entwicklung entsprechender Antikörper dieser Zytokine wie Denosumab oder der in der klinischen Entwicklung stehenden Substanz Odanacatib.
Neue Ansätze der Osteoporosetherapie derzeit wären die Entwicklung von Sklerostin-Hemmern, um Knochenneubildung anzuregen.
Zur Behandlung der Osteoporose werden also neue Therapiestrategien entwickelt.
Am 07. Mai fand im vollbesetzten großen Auditorium das Rottapharm/Madaus Satellitensymposium statt, das in seinem Titel „Der lange Weg zur Krankheitsmodifikation der Arthrose“ bereits wichtige Aussagen der Referenten andeutete. R. Altmann (University of California) berichtete über pharmakokinetische und pharmakodynamische Effekte beim Einsatz von kristallinem Glukosaminhemisulfat, die in dieser Form beim Einsatz von Glucosaminhydrochlorid nicht zu beobachten seien.
M.C. Hochberg (University of Maryland) berichtete von dem positiven Effekt in der Behandlung der Kniegelenksarthrose, der mit einer Dosierung von 1500 mg/d Glucosaminsulfat in mehren Langzeitstudien nachgewiesen wurde. (Herrero-Beaumont 2007, Pavelka 2002, Reginster 2001).
Eine neuerliche Studie (Black 2009 in UK) bestätigte ebenfalls die Wirksamkeit von Glucosaminsulfat bei Kniegelenksarthrose.
In der so genannten GAIT- Studie wurde dagegen Glucosaminhydrochlorid eingesetzt in einer Dosierung von 500 mg/d ohne einen positiven Effekt.
Schließlich betonte J.Y. Reginster (University of Liège), dass die patentierte Präparation von Glucosaminsulfat allein – auch nach den Richtlinienempfehlungen von EULAR (2003) und OARSI (2008) – in der Dosierung von 1500 mg/d einen positiven Effekt gezeigt hat. Möglicherweise kann der Einsatz von kristallinem Glucosaminhemisulfat die Notwendigkeit chirurgischer Eingriffe reduzieren. Somit erweist sich die Strategie einer Langzeit-Glucosaminsulfatbehandlung im Vergleich zum Placebo und darüber hinaus auch unter Berücksichtigung gesundheitsökonomischer Faktoren als höchst kosteneffektiv. Bestätigt wird dies auch in einer Untersuchung von Scholtissen u.a. (Universität Leiden).
Weitere wichtige Beiträge des Kongresses galten der Frakturprophylaxe bei Patienten mit Osteoporose, verbunden mit der entsprechenden präventiven Therapie und den in dieser Hinsicht noch durchzuführenden Longitudinalstudien.
Abrundende Symposien nahmen zu einer vorbeugenden, knochenstabilisierenden Ernährung, der wichtigen physikalischen Therapie und sportlicher Betätigung in jedem Lebensalter Stellung.

