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www.arthrose-experte.de im Interview mit Carlo Thränhardt

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Hochsprunglegende Carlo Thränhardt
Hochsprunglegende
Carlo Thränhardt

Wenn die Gelenke schmerzen, verzichten viele Arthrose-Betroffene auf Bewegung. Was viele nicht wissen:
Arthrose und Sport ergänzen sich.

Eine regelmäßige und maßvolle körperliche Belastung bei Gelenkverschleiß verbessert die Stabilität, Beweglichkeit, Koordination und die Kraft der Gelenke – der geschädigte Gelenkknorpel wird besser mit Nährstoffen versorgt.

Carlo Thränhardt kennt ein Rezept gegen schmerzende Kniegelenke. Der erfolgsverwöhnte ehemalige Leichtathlet ist sich sicher:
„Das beste Mittel gegen Gelenkverschleiß ist Konsequenz“.

Nur durch sein konsequentes Programm sei er heute noch so beweglich, so der sechzehnfache Deutsche Meister im Hochsprung, amtierende Europarekordhalter und dreifache Weltrekordler.



Selbst bei leichten Schmerzen tendieren viele Arthrose-Betroffene dazu, sich lieber wenig zu bewegen. Sie als Leistungssportler mussten sich ja immer wieder zu Höchstleistungen motivieren - auch bei Schmerzen. Haben Sie ein Erfolgsrezept?

Meine persönliche Erfahrung ist – auch wenn es ein wenig widersprüchlich klingen mag – dass man sich auch bei Schmerzen zu Bewegung überwinden sollte. Beim Fahrradfahren zum Beispiel kann man sich immer wieder vorsichtig an seine Schmerzgrenze herantasten. Meiner Meinung nach macht es Sinn, trotz Schmerz vorsichtig zu trainieren, bis irgendwann der Körper mit nachlassendem Schmerz darauf reagiert. So erzielt man nachhaltig eine Besserung. 

 

Dienen Schmerzen nicht auch als Warnsignal des Körpers?

Natürlich sollte man den Schmerz auch als Warnsignal wahrnehmen. Aber ich denke, dass es falsch ist, sich zu stark von den Schmerzen beeinflussen zu lassen. Dann bewegt man sich wahrscheinlich gar nicht mehr. Vielmehr sollte man versuchen, sich an seine persönliche körperliche Schmerzgrenze heranzutasten und dann etwas über den Schmerz hinaus trainieren. Dadurch verschiebt sich die Schmerzgrenze und normale Bewegungen lassen sich wieder ohne Schmerzen durchführen. Das wird nicht bei jedem funktionieren, aber beim Großteil – davon bin ich überzeugt – stellt sich der Erfolg ein.  

 

Wie könnte man eine gewisse Regelmäßigkeit in seine Aktivitäten bringen?

Der Zeitfaktor spielt bei der Regelmäßigkeit eine große Rolle. Wichtig ist, dass man sich für seine sportlichen Aktivitäten ein festes Zeitfenster setzt. Wenn dies nicht möglich ist, sollte man versuchen, dreimal pro Woche Sport zu treiben. Auch dann, wenn man unterwegs oder auf Reisen ist. 20 Minuten sollten immer möglich, die Sportarten sinnvoll gewählt sein.  

 

Haben Sie einige Bewegungs-Tipps auf Lager?

Beim Fahrradfahren zum Beispiel halte ich es für sinnvoll, die Watt-Einstellungen progressiv zu verändern. Wenn man mit einer zu hohen Wattzahl in das Training einsteigt, verliert man schnell die Lust an der Bewegung. Ich würde mit 100 Watt Widerstand anfangen und mich auf 125 Watt steigern – das ist auch aus Motivationssicht sehr sinnvoll. Sobald man spürt, dass etwas mehr Kraft möglich ist, kann man die Wattzahl auf 150, später auf 175 steigern. Es ist dabei eigentlich völlig egal, mit welcher Wattzahl man beginnt, man sollte aber immer versuchen, seine persönliche Leistung zu steigern. Das gibt einem auch die Motivation, mit einer ganz anderen Einstellung in die nächste Trainingseinheit zu gehen.  

 

Gibt es neben Radfahren auch andere Bewegungstipps, die man alleine zu Hause durchführen kann?

Alleine ist es nicht ganz so einfach, regelmäßige Übungen durchzuführen, aber es ist sinnvoll, nach jeder körperlichen Betätigung die Muskulatur zu dehnen. Gerade die Oberschenkel­muskulatur, auch die Bizeps-, die Rückseitenmuskulatur der Oberschenkel sind hier wichtig. Denn sie entlasten die Kniegelenke. Wenn die Muskelfasern dort zu stark kontrahieren, entstehen größere Probleme. Es ist also wichtig, die Muskeln immer wieder ein wenig zu dehnen. Den Dehnungsgrad kann man jeden zweiten, dritten Tag vergrößern. Je größer der Dehnungsgrad ohne Schmerzen, desto größer ist auch das individuelle Erfolgserlebnis. Wichtig ist, dass man immer wieder neue Ziele definiert, wenn diese erreicht sind.  

 

Sie haben einmal gesagt, dass man sich „mit Sport belohnen kann“. Wie ist das zu verstehen?

Zunächst ist dieser Satz für Menschen, die nicht mit Sport groß geworden sind, nicht so einfach zu verstehen. Es bedeutet, dass ich erst einmal Dinge ausprobieren muss, um sie beurteilen zu können. Das heißt, wenn ich noch nie Sport getrieben habe oder noch nie an eine Leistungs­grenze herangekommen bin, kann ich das nicht wirklich beurteilen oder nachempfinden. Mein Tipp ist daher, einfach einmal Dinge zu probieren, um etwas Großartiges zu erreichen. Das kann auch mal ein wenig Walking sein, man muss nicht immer gleich loslaufen wollen. Das Gefühl, dass man seinem Körper etwas Gutes tut, ist zugleich eine Belohnung für die Psyche. Grundsätzlich glaube ich, dass wir alle mehr für unsere Gesundheit tun können, indem wir Bewegung wieder mehr in unser Leben integrieren. Der Körper und unsere Psyche – und entscheidend auch das Wechselspiel – werden es uns danken, so dass wir uns dabei auch wohler fühlen. Bewegung sensibilisiert übrigens auch die Sinne.    

 

Kurz zusammengefasst: Wenn man sich zu Bewegung überwindet, stellt sich ein Glücksgefühl ein, das einen zu mehr Bewegung anspornt?

Korrekt. Entscheidend ist auch eigenverantwortliches Handeln, sich nicht nur auf den Arzt, den Orthopäden oder auf andere zu verlassen. Mein Körper und meine Gesundheit sind das höchste Gut, das ich persönlich besitze – und das anderen anzuvertrauen, ohne eigenes Zutun, halte ich für sträflich. Deshalb: Eigenverantwortung übernehmen und auch ein wenig auf seinen Körper hören, ist für uns alle wichtig. Kein Mensch überlässt sein Geld anderen, warum sollte ich meinen Körper anderen überlassen.

Carlos Top Ten

  1. Betrachten Sie Bewegung als Belohnung für den Körper. Das Gefühl, das sich nach dem Sport einstellt, sollte jeder selbst erfahren.
  2. Überwinden Sie sich zum Sport. Auch wenn es anfangs schwer fällt. Wer es schafft, sich geistig zu überwinden, dem gelingt auch der körperliche Einsatz.
  3. Setzen Sie sich für Ihre sportlichen Aktivitäten ein festes Zeitfenster.
  4. Wenn das nicht klappt, nehmen Sie sich vor, an drei Tagen der Woche Sport zu treiben– zum Beispiel etwa 20 Minuten Radfahren oder laufen.
  5. Steigern Sie Ihre persönliche Leistung langsam -  mit sinnvoll gesteckten, kleinen Zielen, die Sie immer weiter verbessern. Das tut Körper und Psyche gut.
  6. Versuchen Sie, Bewegung so weit als möglich in Ihren Alltag zu integrieren. Gehen Sie so oft es geht zu Fuß. Vermeiden Sie z.B. Rolltreppen und Aufzüge.
  7. Bei Gelenkbeschwerden verzichten Sie auf kurze Stoßbewegungen. Vorsicht auch bei intensiven Drehbewegungen oder schnellen Richtungswechseln.
  8. Versuchen Sie es mal mit Schwimmen. Schwimmen stärkt sie Muskeln, schont die Gelenke und trainiert das Herz-Kreislauf-System. Vorsicht aber beim Brustschwimmen: Die Beingrätsche könnte bei Hüft- und Kniegelenkbeschwerden zu unerwünschten Gelenk- und Bandbelastungen führen.
  9. Mein Favorit: Radfahren. Radfahren trainiert das Herz-Kreislauf-System, verstärkt die Oberschenkelmuskulatur und entlastet die Gelenke.
  10. Denken Sie auch an Ihr Gewicht. Schon ein paar Kilo weniger können die Gelenke entlasten.
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