Teil 1: Hüft- oder Kniegelenkarthrose
Die Erfahrung spricht dafür: Moderater und regelmäßiger Sport kann den Verlauf der Arthrose positiv beeinflussen. Allerdings raten Experten von Leistungssport und Wettkämpfen ab. Welche Sportart sich individuell am besten eignet, sollte auf jeden Fall vorab mit einem Orthopäden oder Sportmediziner geklärt werden.
Grundsätzlich gilt: Sport treiben nur in schmerzarmen Perioden. Akute Phasen dagegen sind Schon-Phasen, in welchen Arthrose-Patienten schmerztherapeutisch behandelt werden sollten.
Empfohlene Sportarten:
- Laufen, Nordic Walking, Wandern
- Bewegung im Wasser
- Radfahren
- Skilanglauf
- Medizinische Trainingstherapie
Mit Einschränkung empfohlene Sportarten:
- Golf
- Bowling/Kegeln
- Tennis
- Tischtennis
- Tanzen
- Aerobic
Eher ungeeignete Sportarten:
- Alpiner Skilauf
- Fußball
- Handball
- Volleyball
- Basketball
- Reiten
- Squash

Laufen, Nordic Walking, Wandern
Laufen ist bei Hüft und- Kniegelenkarthrose nur bedingt geeignet. Hüfte und Knie werden bei jedem Schritt mit dem 2,5- bis 3,0-fachen des Körpergewichts belastet. Deswegen ist es besonders wichtig, auf geeignetes Schuhwerk mit Dämpfung und Führung des Fußes sowie auf den richtigen Untergrund (Wiese, Waldboden) zu achten.
Nordic Walking oder Wandern statt Laufen
Im Gegensatz zum Laufsport wirkt hier nur das 1 bis 1,5 fache des Körpergewichts auf Hüfte und Knie. Der zusätzliche Einsatz von Stöcken beim Nordic Walking verringert die Kräfte, die auf die Gelenke wirken. Die Gelenke werden sanft be-, aber nicht überlastet. Das Körpergewicht wird sozusagen von zwei auf vier Beine verteilt. Somit ist Nordic Walking auch ideal zur Rehabilitation von orthopädischen Erkrankungen.
Auf die Technik kommt es an
Eine richtig ausgeführte Grundtechnik ist unerlässlich, um positive Auswirkungen auf Gelenke zu verspüren. Besonders einfach lässt sich die A.L.F.A.-Technik erlernen, die von der International Nordic Fitness Organisation (INFO) entwickelt wurde. Sie dient dazu, Körperhaltung, Stockeinsatz und Bewegungskoordination zu verbessern.
Die 4 Grundmerkmale der A.L.F.A.-Technik sind:
A - aufrechte Körperhaltung
L - langer Arm
F - flacher Stock
A - angepasste Schrittlänge

Bewegung im Wasser
Bewegung im Wasser wird besonders von Menschen mit fortgeschrittener Arthrose als wohltuend empfunden. Der Auftrieb des Wassers vermindert deutlich die Belastung der Gelenke. Sehnen, Bänder, Wirbelsäule und Gelenke werden geschont, die Beweglichkeit verbessert und die Muskeln gelockert. Die Bewegungen gegen den Wasserwiderstand stärken alle Muskeln. Durch die massierende Wirkung werden Haut, Bindegewebe und Muskulatur besser durchblutet. Eine höhere Wassertemperatur von etwa 28°C trägt zusätzlich zum positiven Empfinden bei.
Besonders geeignet sind:
- Kraulschwimmen
- Rückenschwimmen (Kraultechnik)
- Aqua-Jogging
Experten-Rat:
- Ungeübte sollten auf Kraulschwimmen verzichten, da es aufgrund mangelnder Technik in der Regel konditionell zu belastend ist.
- Brustschwimmen kann wegen der Beingrätsche besonders bei Hüft- und Kniegelenkarthrosen zu unerwünschten Gelenk- und Bandbelastungen führen.

Radfahren
Speziell das Radfahren eignet sich bei Arthrosen der Hüft- oder Kniegelenke. Der Vorteil: Die Hüft- und Kniegelenke werden gleichmäßig bewegt, ohne dabei das Körpergewicht tragen zu müssen.
Achten Sie beim Radfahren auf:
- eine möglichst kleine Übersetzung
- eine relativ hohe Trittfrequenz
- einen höhenverstellbaren Lenker
- eine individuell eingestellte Sitzposition mit
aufrechtem Oberkörper
Kniewinkel größer als 90 Grad
keine durchgedrückten Knie
-> So entlasten Sie Knie und Hüfte.
Skilanglauf
Der Skilanglauf bietet rhythmische Bewegungsabläufe ohne hohe Belastungsdrücke und ist deshalb bei Arthrose des Hüft- oder Kniegelenks dem alpinen Skilauf vorzuziehen.
Beim Skilanglauf - mit seinen harmonischen Bewegungen - kommen nahezu alle Muskeln und Gelenke zum Einsatz. Als saisonale Ergänzungssportart ist er sehr zu empfehlen. Ungeübte tragen jedoch aufgrund mangelnder Lauftechnik ein erhöhtes Verletzungsrisiko. Geübte Skilangläufer können diese Sportart bis ins hohe Alter ausüben.
Medizinische Trainingstherapie (MTT)
Bei der MTT steht der ganzheitliche Ansatz im Vordergrund. Gestörte körperliche, psychische und soziale Funktionen werden ausgeglichen, Sekundärschäden vorgebeugt und gesundheitliches Verhalten gefördert.
Eingesetzt werden Kraftmaschinen, Gewichte oder isometrische Übungen gegen einen fixen Widerstand.
Das Trainingsprogramm besteht aus
- Krafttraining
- Ausdauertraining
- Koordinationstraining
- Dehnungstherapie
- Übungsprogramm für zuhause
Was kann erreicht werden?
- Ausdauer und Muskelkraft werden gestärkt.
- Beweglichkeit und Koordination verbessern sich.
- Atmung und Herzkreislaufsystem werden trainiert.
Experten-Rat
- Trainieren Sie nur unter professioneller Anleitung.
- Keine der Übungen sollte Schmerzen verursachen.
- Regel für den Puls: 180 minus Lebensalter.
- Beachten Sie Ihre persönliche Belastungsgrenze.
Als unterstützende Maßnahme bietet sich bei leichter bis mittelschwerer Arthrose des Kniegelenks die Einnahme von kristallinem Glucosaminhemisulfat (CGS) an. Der Wirkstoff kann den Folgen des fortschreitenden Knorpelabbaus im Kniegelenk entgegenwirken und verbessert die Beweglichkeit.

